Was ist eigentlich EMV?

Um es vorweg zu sagen: EMV ist mehr als die Einhaltung festgelegter Grenzwerte unter normativen Meßbedingungen.

Jedes elektrotechnische System bezweckt die Umwandlung und Übertragung von Energie und Information. Energie und Information sind demnach Nutzgrößen. Die Funktion des Systems setzt die Prioritäten - primäre und sekundäre Nutzgröße. Jede Nutzgröße erzeugt aufgrund physikalischer Gesetze bei ihrer Umwandlung und Übertragung Störgrößen. Diese Größen stören das primäre bzw. sekundäre Ziel des Systems.

Wird auch das Umfeld des Systems diesen Betrachtungen unterworfen, so erfolgt einerseits eine Beeinflussung der Umgebung durch die Störgrößen des Systems und andererseits beeinflussen Störgrößen aus der Umgebung das primäre oder sekundäre Ziel des Systems.

Die Entwicklung neuer Systeme bringt durch Miniaturisierung und hochintegrierte Bauelemente eine Erhöhung der Nutzgrößendichte, und damit verbunden die größere Empfindlichkeit von sekundären Bereichen bei verstärkter Störgrößeneinkopplung. Die elektromagnetische Verträglichkeit für jeden Teil des Systems muß die Funktionssicherheit gewährleisten.

 

Das Normenwerk des VDE faßt dies folgendermaßen zusammen:

Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) ist die Fähigkeit einer elektrischen Einrichtung, in ihrer elektromagnetischen Umgebung zufriedenstellend zu funktionieren, ohne die Umgebung, zu der auch andere Einrichtungen gehören, unzulässig zu beeinflussen (VDE 0870).

Diese Definition berücksichtigt sowohl die interne Störbeeinflussung als auch das Wirken von und zu externen Systemen. Ebenso geht diese Definition von der Einhaltung bestimmter Grenzwerte aus. Die noch zulässige Störgröße ist jedoch durch keinen bestimmten festen Wert festgelegt, sondern durch die Eigenschaft der unzulässigen Beeinflussung. Die EMV ist demnach eine qualitative Größe, deren Quantität die Funktionsstörung eines Systems ist.

EMV-ÜbersichtDas elementare EMV-Modell