Das elementare EMV-Modell

Aus den globalen, qualifizierten Beeinflussungen muß auf lokale und quantifizierbare Beeinflussungen geschlossen werden, um die Funktion eines bestimmten Systems in seiner Umgebung sicherzustellen. Dies geschieht durch geeignete Modellbildung.

Ein Modell beschreibt die Wirkung einer Größe (Nutz- oder Störgröße) auf andere Größen. Die Wirkung kann dabei durch den einen oder anderen Wirkungsmechanismus zustande kommen. Im realen Fall können verschiedene Mechanismen einzeln oder zusammen zu einer Wirkung führen.

Die Wirkung einer Störgröße geht von der Störquelle aus und gelangt über den Kopplungsweg zur Störsenke. Der Kopplungsweg vermittelt eine Wirkung. Aber Vorsicht: unter Kopplungsweg wird nicht die elektrische Verbindung von Störquelle und Störsenke verstanden, also nicht die Leiterbahn oder der Draht.

Daraus ergibt sich das elementare EMV-Modell:

Störquelle Þ Kopplungsweg Þ Störsenke

Störsenke Ü Kopplungsweg Ü Störquelle

Ein System ist also zugleich Störquelle und Störsenke für ein anderes System bzw. für die Umgebung.

Das reale System ist gegebenenfalls in mehrere elementare EMV-Modelle zu zerlegen. Ferner können zu jedem elementaren Modell mehrere Kopplungswege (Wirkungsmechanismen) zu berücksichtigen sein.

Die genaue Kenntnis der Wirkungsmechanismen und der Eigenschaften aller Quellen und Senken führt dann zu berechenbaren Beeinflussungen. Neben den Kopplungsmodellen sind für das Auffinden geeigneter Maßnahmen die Eigenschaften von Quellen und Senken zu berücksichtigen. Ob überhaupt EMV-relevante Maßnahmen ergriffen werden müssen, ob alle Quellen auch Störquellen, ob Senken auch Störsenken darstellen, hängt von den Quelleneigenschaften bzw. Senkeneigenschaften ab. Hierunter fallen z.B. Flankensteilheit ,Impedanzen, Störempfindlichkeit usw. Ein weiterer Problemkreis ergibt sich durch die erforderliche Anpassung von Quellen- und Senkeneigenschaften.

Da die Leiterbahnen nicht die nur geometrische Verbindung von Quellen und Senken darstellen, müssen die elektrischen Eigenschaften einer Leiterbahn berücksichtigt werden, wenn ein Beeinflussungsmodell erstellt wird..

Unzulässige Beeinflussung

Ob die Beeinflussungen dann tatsächlich unzulässig hoch sind müssen spezielle Messungen zeigen. Die Messvorschriften sind normiert in den EMV-Richtlinien der EG, den Fachgrundnormen (Generic Standards). Diese beschreiben auch die Anforderungen an die maximal zulässige Störaussendung und die Mindeststörfestigkeit für verschiedene typische Umgebungen.

Sind für bestimmte Produkte oder Produktfamilien spezielle Produktnormen erlassen, so haben diese Vorrang vor den Fachgrundnormen.

EMV-ÜbersichtEMV-gerechtes System als Aufgabe